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Weihrauch in der Geschichte

Weihrauch in der Geschichte - von der Antike bis ins alte Indien

Nahezu jeder Mensch dürfte die Geschichte von den drei Weisen aus dem Morgenland kennen, die dem Stern folgen, um dem neugeborenen Sohn Gottes im Stall von Bethlehem ihre Geschenke darzubieten: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Gold hat in der heutigen Zeit eine große Bedeutung und ist noch genauso wertvoll, wie zur damaligen Zeit. Im gleichen Atemzug wird jedoch Weihrauch genannt. Was ist also die Geschichte des Weihrauchs, dass er als so wertvoll gilt?

Die Antike

Schon die Heiler in der Antike wussten, dass Weihrauch eine schmerzlindernde und heilende Wirkung besaß. Damals wie heute wurde fand und findet er in der vielfältige Verwendung. Selbst eine berühmte Handelsstraße wurden nach ihm benannt. Diese zog sich über 3000 Kilometer von Südarabien nach Palästina. Zwischen 1000 v. Chr. bis 500 n. Chr. (1500 Jahre!) wurde hier zunächst Weihrauch aus Indien nach Ostafrika und andere zentrale Handelsplätze rund um das Mittelmeer verfrachtet. Erst später kamen Gewürze und andere Produkte hinzu.

Arabische Händler in der Antike (die Nabatäer) lebten einst auf dem Gebiet, das heute Jordanien darstellt. Der Zwischenhandel mit Weihrauch bescherte ihnen große Reichtümer. Ihre Handelspartner waren die Römer und weitere antike Völker. In den Tempeln des römischen Imperiums wurde Weihrauch zu kultischen Zwecken verbrannt, so wie man dies auch heute noch in katholischen Kirchen tut. Die Felsenstadt Petra, als 8. Weltwunder bezeichnet, verdankte ihr Dasein dem Reichtum der Nabatäer.

Die alten Inder

Ein Großteil des Weihrauchhandels hat seinen Ursprung in Indien. Die „Medizinflasche von Ajanta“ erzählt von der Heilkraft des Weihrauchs, die den Indern besondere Heilfähigkeiten zuwies. In den Palästen indischer Herrscher hatten Kräutergärten eine besondere Bedeutung als „lebende und nachwachsende Apotheken“. Auch heute noch setzt man dort auf die Kraft des „Ayurveda“ (Wissen vom Leben), auch wenn moderne Zeiten „modernes medizinisches Wissen“ mit sich bringen.

Doch einfühlsame Menschen und Wissenschaftler wandern auf den Spuren des Weihrauchs und entschlüsseln sein Geheimnis ganz neu. Welche Bedeutung hatte der Weihrauch im alten Indien? Die Ärzte der Maharadschas bekämpften mit dem heilsamen Harz „Tollheit“ und Epilepsie. Auch bei Heiserkeit, Schnupfen und Frauenproblematiken war Boswellia ein zuverlässiger Helfer.

Die alten Griechen

Der alte Arzt Hippokrates und andere griechisch-römische Ärzte setzten ebenfalls auf die Wirkung des Weihrauchs. Er erweiterte seinen Wirkungsumfang und setzte ihn zur Wundreinigung, bei Atemwegserkrankungen und Erkrankungen des Verdauungssystems ein.

Weihrauch in Afrika

Traditionell war die Anwendung bei Krankheiten wie Bilharziose, Syphilis und diversen Magenleiden mit Hilfe von Weihrauch. Auch Harnwegsproblematiken wurden mittels Weihrauch behandelt. Nicht nur körperlich kommt Boswellia in Afrika zur Anwendung, denn auch psychische Erkrankungen werden „behandelt“. So erkennt man in einem psychisch Kranken einen „Zar-Geist“ und beschwichtigt ihn mittels Räucherwaren – u. a. auch Weihrauch.

Wie der Weihrauch nach China kam

Im Jahr 754 n. Chr. begab sich ein buddhistischer Priester namens Ganjin auf den Weg nach Japan. Die buddhistischen Grundsätze im Gepäck enthielten auch zahlreiche Errungenschaften rund um das Thema Weihrauch. Kleine Weihrauch-Bällchen – „Nerikoh genann“ – bewiesen ihre heilsamen Fähigkeiten. So nahm die Weihrauchkultur der Tang-Dynastie Chinas in Japan ihren Anfang.

Dort entstand ein richtiger Kult um Weihrauch. Zahlreiche Hilfsmittel wurden dazu benutzt, verschiedene Duftmischungen mit feinen Nuancen zu schaffen. Jeder, der etwas auf sich hielt, suchte seinen Lieblingsduft. Nicht länger war Weihrauch ausschließlich eine religiöse Opfergabe, sondern diente eitlen Zwecken, nämlich der Entwicklung individueller Düfte.

Diesen Zeitvertreib nannte man „soradkimono“. So gewann Weihrauch an ästhetischer und künstlerischer Bedeutung gleichermaßen. Noch heute vermutet man, dass das Wort Parfüm, das aus dem alten provenzalischen Französisch abgeleitet wird (ursprünglich „perfumar“), mit dem Wort „Weihrauch“ in Zusammenhang steht. „per“ bedeutet „durch“ und „furmar“ ist die Bezeichnung für „Rauch“.

Daher ist der Glaube, dass die Parfümerie aus der Kunst im Umgang mit verschiedenen Weihrauch-Kombinationen entstanden ist. Die Hofadeligen in der Heian Zeit im 8. – 12. Jahrhundert ließen sich ihre ganz eigenen Duftmischungen zusammenstellen. Jede Jahreszeit und Gelegenheit erhielt ihre ganze eigene.

Im Mittelalter

Auch im Mittelalter wusste man um die Heilwirkung von Weihrauch – nicht nur zu kirchlichen Zwecken. Hildegard von Bingen brachte ihn als Heilmittel unters Volk. Sie empfahl Weihrauch als Allheilmittel für zahlreiche Erkrankungen.

Europa damals

In der europäischen Naturheilkunde setzte man das Harz des Weihrauchbaumes in der Hauptsache zur Linderung von rheumatischen Erkrankungen ein. Pharmakologische Bücher aus dem 19. Jahrhundert belegen dies.

Ende des 19. Jahrhunderts geriet Weihrauch jedoch nach und nach in Vergessenheit. Sebastian Kneipp, der allseits bekannte bayerische Priester fungierte als Naturheilkundler und Hydrotherapeut. Im Jahr 1886 empfahl er noch das Einreiben der Brust mit Harzkügelchen von Fichte oder Tanne zur Stärkung der inneren Gefäße, die alternativ durch „Weihrauchkörner der weißen Sorte“ ersetzt werden können, doch die moderne Medizin setzte sich mit ihrer schnellen und effektiven Wirkungsweise schnell durch. So geriet Weihrauch im Abendland nach und nach in Vergessenheit.

Die Bedeutung des Weihrauchs – damals und heute

Doch Weihrauch ist wieder Kult. Er diente und dient noch immer dazu, Götter zu beschwören, sie gnädig zu stimmen, zu reinigen und zu narkotisieren. Dazu verbrannte man ihn in Ägypten wie in Indien. Auch in der katholischen Kirche tut man dies heute noch zu Sympolzwecken. Die Römer erachteten ihn als so wertvoll, dass sie Weihrauch mit Gold aufwogen.

Die als „Weihrauchstraße“ bezeichnete Handelsstraße brachte das wertvolle Kraut letztendlich in alle Welt, wo man die Wirkung schätzte und auch heute noch schätzt. Wenn auch die Transportwege moderner geworden sind. Im Süden des Sultanas Oman wird Weihrauch auch heute noch gewonnen. Beduinen sichern das wertvolle Harz.

Wenngleich auch die Entwicklung der klassischen Medizin heute mit ihren chemischen/synthetischen, schnellwirkenden Arzneimitteln Weihrauch in Vergessenheit geraten ließ, erfordert die Zunahme von Krankheiten die Suche nach wirkungsvollen Alternativen. Man besinnt sich wieder auf das, was die Natur bereithält, denn Nebenwirkungen sind ein großes Thema.

Während synthetische Arzneimittel unerwünschte Wirkungsweisen hervorbringen und manchmal nur der Weg vom Regen in die Traufe sind, liefern natürliche Heilmittel Linderung und Heilung auf die sanfte Art. Weihrauch ist eines dieser Mittel und findet zunehmend Zuspruch. Die zu erwartenden Nebenwirkungen bringen allenfalls Übelkeit oder Magendrücken hervor. Sogar im Kampf gegen Krebs testet man (teilweise schon erfolgreich) seine Wirkungsweise. Heute behandelt man mit Weihrauch auch zahlreiche entzündlichen Erkrankungen und ein Ende der Testreihen ist noch nicht abzusehen.
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Über Autor: Lili Nuß

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