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Warum Weihrauch in der Kirche?

Die Bedeutung von Weihrauch in der Kirche

Denkt man an Weihrauch in der Kirche, hat man vermutlich Ministranten vor Augen, die das rauchende Weihrauchfass schwenken. Diesen Brauch findet man in Deutschland allerdings nur in katholischen Kirchen.

Viele Kulturen

Weihrauch war und ist Kult. Warum ist das so? Im alten Ägypten, bei den Römern oder bei religiösen Bräuchen in Indien und Afrika steigen auch heute noch die duftenden Weihrauchfahnen auf. Auch „Duft der Götter“ genannt, soll Weihrauch zum Himmel streben wie die Gebete der Gläubigen.

Das Harz aus dem Weihrauchbaum galt schon von alters her als heilig oder gar göttlich. Früher setzte man seinen Wert sogar mit dem des Goldes gleich. Die drei Weisen aus dem Morgenland brachten dem neugeborenen Sohn Gottes neben Gold und Myrrhe auch Weihrauch als Geschenk.

Weihrauch und das Christentum

Das frühe Christentum lehnte Weihrauch als Opfermittel aufgrund des römischen Kaiserkultes zunächst ab. Als Kaiser Konstantin jedoch das Christentum zur anerkannten Staatsreligion erklärte, änderte sich die Bedeutung des Weihrauchs in der Kirche.

Video: Einsatz des Weihrauch in der Kirche

Weihrauch in der katholischen Kirche

Vor allem die sonntägliche Liturgie der katholischen Kirche beinhaltet im Verlauf der Messfeier das Verräuchern von Weihrauch. Doch auch zum Stundengebet (insbesondere in Vesper und Laudes) und bei Prozessionen und Andachten in der eucharistischen Anbetung wird das Schwenken des Weihrauchkessels praktiziert.

Dabei werden die sogenannten eucharistischen Gaben und Christussymbole (Altar, Altarkreuz, Evangeliar, Priester, Weihnachtskrippe, Osterkerzen, die Gläubigen) beweihräuchert („mit dem Weihrauchfass inzensiert“). Einige Gläubige nehmen ein wenig dieses Brauches mit nach Hause, indem sie zur Weihnachtszeit Räucherkerzen oder Räucherstäbchen anzünden. Inzensiert wird auch bei der Begräbnisfeier der Sarg und das offene Grab mit dem Sarg darin.

Die Symbolik des Weihrauchschwenkens fußt auf Reinigung, Verehrung und Gebet und gilt als Zeichen für die Gegenwart des Höchsten, nämlich Gottes. Zudem soll den Gläubigen die Geist-/Leib-/Seele-Einheit des Menschen (als Gottes Geschöpf) deutlich vor Augen geführt werden. Schließlich soll der Gottesdienst mit allen Sinnen wahrgenommen werden (Auge, Ohr, Nase).

Weihrauch in der evangelischen Kirche

Als im 15./16. Jahrhundert die Spaltung der Kirche ihren Anfang nahm, änderten sich in der neu entstehenden evangelischen Kirche nach und nach die Bräuche. Martin Luther untersagte zwar den Gebrauch von Weihrauch nicht, doch für ihn bestand keine Notwendigkeit, Rauch wie die Gebete der Gläubigen gen Himmel steigen zu lassen.

Er brauchte diese Symbolik nicht, denn Gott nahm die Worte selbst wahr. Ihm waren die Bibel und der Glaube das Wichtigste. Zeichen waren überflüssig und lenkten ab. In seinem Katechismus schrieb er daher, dass Gottes Gebote und sein Wort wichtiger seien, als Weihrauch. Doch der Gebrauch von Weihrauch blieb den einzelnen Kirchengemeinden überlassen.

Bis ins 19. Jahrhundert fand man auch in einigen evangelischen Kirchen noch Räucherkessel und Weihrauchfässer. Heute jedoch sind beide verbannt. Die eine oder andere evangelische Gemeinde experimentiert heutzutage wieder ein wenig mit Boswellia, wie man Weihrauch auch bezeichnet.

Ziel dabei, den Gottesdienst mit allen Sinnen wahrzunehmen, also auch mit der Nase. Viele Gläubige allerdings wissen nicht so recht, wie sie damit umgehen sollen. Einige reagieren begeistert, andere dagegen eher skeptisch oder auch ablehnend. Etablieren wird sich der Gebrauch bei den Evangelikalen sicherlich nicht.

Weitere Kirchen

Die Verwendung von Weihrauch ist jedoch nicht nur der katholischen Kirche vorbehalten, auch die orthodoxen Gläubigen und einige asiatische Religionen verwenden ihn noch heute in ihren Gottesdiensten. In orthodoxen und orientalischen Liturgien gilt z. B. der Weihrauch als Duft des Himmels. Gerade in orientalischen Religionen wird die Gottesbegegnung mit einem Dufterlebnis in Verbindung gebracht.

Weihrauch im Volksglauben

Schon in vorchristlicher Zeit war das Verbrennen von Kräutern, Wurzeln und Harzen als Hygienemaßnahme in Europa Brauch. Im Alpenraum jedoch hatte dies noch eine weitere Bedeutung. Mit dem Rauch wollte man nach einem langen und heftigen Winter die Unterweltgöttin Percht bannen.

Der Volksglaube besagte, dass diese in den zwölf Raunächten (auch „Rauchnächte“ genannt) zwischen dem 25. Dezember und 6. Januar durchs Land ritt. Der Jahreswechsel wurde mit der Beweihräucherung eines jeden Raumes begangen. So begrüßte man das neue Jahr und gab ihm „Raum“. Auf diese Weise hoffte man, eine gute häusliche Atmosphäre zu schaffen.

Weihrauch und andere Kräuter

Nimmt der Weihrauchkessel seine Arbeit auf, ist er meist nicht ausschließlich mit dem Harz des Weihrauchbaumes (Olibanum) gefüllt. Verwendung finden meist weitere verschiedene Räuchermittel, die je nach Religion und Kultur variieren. Gern gibt man auch Benzoe, Myrrhe, Zistrose und/oder auch Lorbeer zu dem wertvollen Harz, um besondere Duftvariationen zu erreichen.

Menschen und Bräuche

Im Grunde braucht man im Glauben und in der Kirche Weihrauch nicht. Trotz allem möchten hierzulande die katholischen Gläubigen auf ihre Weihrauch schwenkenden Messdiener nicht verzichten. Denn für sie gehört dieser Brauch zu einer richtigen katholischen Gottesdienst- oder Trauerfeier dazu.

Die symbolische Bedeutung ist sehr wichtig für sie. Reines Glauben ohne wahrnehmbare Zeichen fällt dem Menschen oft schwer. Er möchte Sichtbares, Fühlbares, Riechbares – eben Handfestes. Das können für sie Worte und Lieder allein nicht ausrichten. Daher bleibt das Weihrauchschwenken sicher weiterhin in der katholischen Kirche Brauch.

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