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Die Weihrauch-Pflanze

Der Weihrauch-Baum ist eine Pflanze aus der Gattung der Balsambaumgewächse. Er sondert ein milchiges Gummiharz ab, aus welchem mittels Lufttrocknung das sogenannte Weihrauchharz, auch Olibanum genannt, gewonnen wird. Seine Klassifizierung:

  • Kerneudikotyledonen > Rosiden > Eurosiden
  • Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales
  • Familie: Balsambaumgewächse (Burseraceae)
  • Gattung: Weihrauch
  • Wissenschaftlicher Name: Boswellia

Seine vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten machen es wert, diese uralte Pflanze einmal genauer zu betrachten.

Charakteristik des Weihrauchbaumes

Je nach Art und Standort erreichen die harzspendenden Bäume eine Wuchshöhe von 1,5 bis 8 m. Ihre Rinde ist papierartig und blättert wie eine zu trockene Haut ab. Ihre Äste bilden bis zu 25 cm lange traubenförmige Blütenstände aus. Das milchig Harz gewinnt man aus sogenannten schizogenen (durch Spaltung entstehend) Exkreträumen (Ausscheidungsgewebe) der Rinde.

Genügsame Pflanze

Weihrauchbäume wachsen ausschließlich in Trockengebieten um das Horn von Afrika (hier Somalia, Eritrea, Sudan und Äthiopien), in Indien sowie in begrenzten Gebieten Arabiens. Am besten gedeiht er in kargen Landschaften zwischen kargen Gesteinen bis in eine Höhe von etwa 1200 m über NN.

Eine Pflanze – viele Arten

Weihrauchpflanzen der Gattung Boswellia haben mit den Harfensträuchern (Plectranthus), die gemeinhin auch „Weihrauch“ oder „Weihrauchkraut“ genannt werden, außer dem Namen nichts gemein.

Zurück zur Gattung Boswellia. Sie umfasst zahlreiche Arten. Die Verbreitungsgebiete sind die folgenden:

  • Boswellia serrata: Indischer Weihrauch (auch Boswellia glabra), Salaibaum, Salphalbaum
  • Boswellia papyrifera: Äthiopischer Weihrauch (auch Amyris papyrifera)
  • Boswellia dalzielii: Westafrikanischer Weihrauch
  • Boswellia nana: Sokrota (eine Insel im nordwestlichen Indischen Ozean; hier tritt Weihrauch nur in endemisch – also in einem abgegrenzten Gebiet- auf
  • Boswellia frereana: Elemi-Weihrauch
  • Boswellia sacra: Arabischer (Somalischer) Weihrauch – an der Küste des Roten Meeres, Hadramaut (Südarabien) und Somaliland

Die Boswellia-Pflanze ist sehr anspruchsvoll. Sie wächst ausschließlich in wüstenartigen und kargen Gebirgsregionen. Eine Nachzucht ist bisher nicht gelungen und dürfte sich schwierig gestalten.

Die Weihrauchernte

Das begehrte Weihrauchharz wird etwa ab Ende März oder Anfang April geerntet. Die Ernte selbst zieht sich über mehrere Monate hin. Schnitte an Stämmen und Ästen sorgen dafür, dass das wertvolle Harz austritt und aufgefangen werden kann. Die erste Ernte bringt jedoch nur minderwertiges Harz hervor.

Nach etwa drei Wochen verbessert sich die Qualität, das Harz wird reiner. Einmal wöchentlich wird das ausgetretene Weihrauchharz eingesammelt. Etwa 500 g kommen dabei jedes pro Baum Mal zusammen. Die Gesamtausbeute eines Baumes im Verlauf der Erntezeit schwankt zwischen drei und zehn Kilogramm und ist abhängig von Größe, Alter und Zustand.

Doch kann die Harzernte nicht unbegrenzt fortgesetzt werden, denn nach mehrjährigen Ernten braucht ein Weihrauchbaum eine ebenfalls mehrjährige Ruhepause.

Fast so wertvoll wie Gold

Schon vor Tausenden von Jahren handelte man das wertvolle Harz des Weihrauchbaumes wie Gold. Auch die Bibel zeugt davon – beschenkten sogar die Drei Weisen aus dem Morgenland den neugeborenen Sohn Gottes (Jesus) mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. Doch die Geschichte des Weihrauchs geht noch weiter zurück. Bereits vor ca. 7000 Jahren opferte man den orientalischen Göttern Weihrauch.

Die Ägypter verwendeten es zum Einbalsamieren, als Räuchermittel, aber auch zu Desinfektionszwecken. Die ayurvedische Volksmedizin gewann Extrakte des Harzes Olibanum schon vor Jahrtausenden, um chronische Arthritis und Bronchialerkrankungen zu behandeln. Immer mehr schätzt und nutzt man auch heutzutage die zahlreichen Talente des natürlichen Weihrauchharzes. Die Nebenwirkungen sind gering.

Doch der Bestand an Boswellia-Bäumen schrumpft bedenklich. Wissenschaftler schlagen Alarm, denn schon in naher Zukunft könnte die Harzgewinnung um 50 % zurückgehen. Dies ergab eine von der Britischen Ökologischen Gesellschaft veröffentlichten Studie. „Binnen 50 Jahren könnte die Zahl der Boswellia-Bäume um 90 % schrumpfen“ ist die Aussage von Forschenr. Die Weihrauch-Produktion sei dann endgültig „dem Untergang geweiht“.

Allerdings ist nicht die von Menschen vorgenommene Ausbeute der Bäume die Ursache für das Sterben, sondern vielmehr die zunehmende Zahl von Bränden, sowie Überweidung und Schädlingsbefall. Die Forscher untersuchten zwei Jahre lang den Zustand von 6000 Boswellia-Bäumen im Nordwesten Äthiopiens.

Medizin für die Welt

Weihrauch hat mehr zu bieten als den Rauch, den Priester schwenkend während der Messe verteilen, denn Weihrauch diente schon vor Jahrtausenden als Heilmittel gegen entzündliche Erkrankungen. Diese Talente besitzt er auch heute noch und die Medizin weiß sie zunehmend zu schätzen, vor allem als Ersatz für Cortison. In Deutschland wird fast ausschließlich das Harz der Weihrauchgattung Boswellia serrata (Indien) zu medizinischen Produkten verarbeitet. Aber auch Boswellia sacra (Arabien) findet Verwendung in der Medizin.

Neben dem Olibanum liefert der Weihrauch auch Gummi und verschiedene ätherische Öle wie Olibanol, Pinen, Phellandren, Verbenon usw.  Die komplexe Zusammensetzung des Olibanums beinhaltet mehr als 80 verschiedene chemische Verbindungen. Die für die Gesundung wichtigste Verbindung ist die Boswelliasäure, die gezielt die Leukotriensynthese blockiert, die für schmerzhafte Entzündungen verantwortlich ist. Der Wirkstoff stört den Entwicklungsprozess von Entzündungssäuren und greift somit direkt in den Prozess der Entzündung ein.

Deutsche Pharmakologen haben sich über Jahrzehnte mit der Wirkung von Weihrauch auseinandergesetzt. Ihr Fazit: Weihrauch wirkt vor allem bei rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen schonend, aber effektiv. Eine Studie belegt, dass der menschliche Organismus die Bestandteile des Weihrauchs hervorragend absorbiert. Damit katapultiert sich Weihrauch auf Augenhähe zu üblichen Schmerzmitteln und Antirheumatika. Auch die Tiermedizin setzt auf die Wirkung, schließlich ist das heilsame Olibanum nicht ausschließlich dem Menschen vorbehalten.

Es gibt verschiedene Darreichungsformen des natürlichen Medizinproduktes. Geeignet ist Olibanum für die innere und äußere Anwendung und daher in Kapsel- und in Salbenform erhältlich. Die Krankenkassen übernehmen derzeit die Kosten für eine Behandlung nicht.

Gibt es eine Zukunft für Weihrauchbäume?

Das ist fraglich. Vor allem im Hinblick darauf, dass das Abendland gerade erst seine vielfältigen Talente entdeckt. Die Nachzucht ist bisher nicht gelungen, es bleibt also abzuwarten, ob das wertvolle Harz des Weihrauchbaumes eine Zukunft in der Medizin hat oder nicht.

Die Weihrauch-Pflanze
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Über Autor: Lili Nuß

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