Die Vielseitigkeit von Weihrauchextrakt: Mythen und Fakten

Weihrauchextrakt, ein traditionelles Räucherharz für religiöse Rituale, hat in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit als vermeintliches Wundermittel für die Gesundheit erregt. In der Werbung wird behauptet, dass die enthaltenen Boswelliasäuren eine breite Palette gesundheitlicher Vorteile bieten, darunter die Linderung von Gelenkentzündungen und -schmerzen, die Reduzierung von Entzündungsschüben bei Multipler Sklerose (MS), die Stärkung des Immunsystems sowie die Bekämpfung von Stress und Angstzuständen. Auch als potenzielles Mittel gegen Krebs, Asthma und Colitis ulcerosa wird Weihrauchextrakt beworben. Tatsächlich hat Weihrauch in der ayurvedischen und europäischen traditionellen Medizin einen langen geschichtlichen Hintergrund.

Die Forschungslücke bei Weihrauchextrakt

Obwohl die entzündungshemmenden Eigenschaften von Weihrauchextrakten in Tierversuchen positiv bewertet wurden, gibt es bisher nur begrenzte wissenschaftliche Untersuchungen an Menschen. Die Arzneimittelkommission der Bundesärztekammer warnt daher davor, Weihrauch aufgrund unzureichender klinischer Daten nicht uneingeschränkt zu empfehlen.

In Deutschland sind Weihrauchpräparate nicht als Medikamente zugelassen, sondern lediglich als homöopathische Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Diese Nahrungsergänzungsmittel bedürfen keiner Wirknachweisführung oder Zulassung.

Ein Wirknachweis ist jedoch eine Voraussetzung für die Zulassung als Medikament. Viele Studien weisen Mängel auf, was ihre Aussagekraft erheblich einschränkt. Es besteht weiterhin Forschungsbedarf, insbesondere in Bezug auf die potenzielle Überlegenheit von Weihrauchextrakt gegenüber herkömmlichen Schmerzmitteln wie Ibuprofen bei Arthrose.

Gesundheitsaussagen und Weihrauchextrakt

Auf europäischer Ebene wurde eine gesundheitsbezogene Wirkaussage zur „Gelenkgesundheit“ für Weihrauchextrakt beantragt, aber noch nicht genehmigt. Dieser Antrag bezieht sich nicht auf die Heilung oder Linderung von Gelenkproblemen, sondern auf einen möglichen positiven Einfluss von Weihrauch auf die Gelenke („Fördert die Gesundheit der Gelenke“).

Bisherige Studien zur Wirkung von Weihrauchextrakt bei Krebs haben gezeigt, dass die Vermehrung von Tumorzellen verringert werden kann. Dennoch gibt es laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum nur wenige klinische Studien mit Krebspatienten, und das genaue Wirkprinzip ist noch nicht vollständig verstanden.

Weihrauch Extrakt – Wirkung und Anwendung: Ein umfassender Leitfaden

Was Sie bei der Verwendung von Weihrauchprodukten beachten sollten

In Deutschland sind Weihrauchprodukte nur als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Häufig wird indisches Weihrauchgummiharz (Boswellia serrata) in Tabletten- oder Kapselform für medizinische Zwecke verwendet.

Das Problem besteht darin, dass weder die Art des Extrakts noch die Inhaltsstoffe oder die Dosierung standardisiert sind. Daher sind Produkte verschiedener Anbieter kaum miteinander vergleichbar. Untersuchungen haben gezeigt, dass die beworbene Konzentration von „80 Prozent“ Boswelliasäuren oft nicht mehr als 35 % Boswellia-/Lupeolsäuren beträgt, manchmal sogar weniger.

Es ist auch wenig bekannt über mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit Medikamenten, einschließlich Langzeitwirkungen.

Die Zusammensetzung der Weihrauchprodukte kann erheblich variieren. Die in klinischen Studien untersuchten Weihrauch-Spezialextrakte, wie von der Arzneimittelkommission der Bundesärztekammer beschrieben, unterscheiden sich von den in Deutschland erhältlichen weihrauchhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln. Daher sind Dosierungs- und Wirkungsaussagen nicht auf hiesige Nahrungsergänzungsmittel übertragbar.

Aussagen wie „enthält 85 % Boswelliasäuren“ oder „400 mg Weihrauchextrakt“ sind daher wenig hilfreich beim Vergleich der Produkte. Seien Sie vorsichtig bei angeblichen Produkttests in Online-Portalen, da diese oft dazu dienen, den Verkauf anzukurbeln. Gleiches gilt für Sterne-Bewertungen angeblicher Käufer:innen.

Einige Studien weisen auf unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Magensäure-Reflux und allergische Reaktionen bei der Einnahme von Weihrauchextrakt hin.

Weihrauchextrakte können auch Wechselwirkungen mit einer Vielzahl von Medikamenten haben, insbesondere solchen, die über P-Glycoprotein transportiert werden. Wenn Sie Blutverdünner wie Warfarin (Coumadin®) einnehmen, sollten Sie Weihrauchprodukte unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen oder in der Apotheke nachfragen, wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen.

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen in der Regel nicht die Kosten für die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Weihrauch.

Die in Nahrungsergänzungsmitteln verwendeten Weihrauchextrakte dürfen keine pharmakologische Wirkung haben, da sie sonst als nicht zugelassene Arzneimittel eingestuft werden. Krankheitsbezogene Werbung für Nahrungsergänzungsmittel ist generell nicht erlaubt, und Gesundheitsaussagen zu Weihrauch wurden von der EU bisher nicht genehmigt. Einige Anbieter umgehen diese Regelungen, indem sie indirekt auf angebliche Heilwirkungen hinweisen, z. B. durch Buchempfehlungen oder Verweise auf Internetforen.

Was ist Weihrauchextrakt?

Weihrauchbäume sind meist kleine, buschige Bäume mit verschiedenen Arten, darunter der afrikanische Weihrauch (Boswellia carterii) aus Südarabien oder Afrika und der indische Weihrauch (Boswellia serrata) aus Ostindien. Wenn der Stamm dieser Bäume verletzt wird, tritt eine klebrige Flüssigkeit aus, die nach einigen Tagen zu festem Gummiharz trocknet. Dieses Gummiharz wird gesammelt, gereinigt und als Trockenextrakt weiterverwendet.

Inhaltsstoffe von Weihrauchextrakt

Das Gummiharz enthält bis zu 10 % ätherisches Öl und verschiedene Boswelliasäuren wie Alpha- und Beta-Boswelliasäure als Hauptwirkstoffe.

Schadstoffbelastung von Weihrauchprodukten

Das Europäische Schnellwarnsystem RASFF hat wiederholt Nahrungsergänzungsmittel aus dem asiatischen Raum aufgrund übermäßiger Schadstoffbelastungen gemeldet. Insbesondere ayurvedische Nahrungsergänzungsmittel können absichtlich Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Arsen enthalten, aufgrund traditioneller Herstellungspraktiken.

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Nikolas Joon

Mein Name ist Nikolas Joon und ich bin 58 Jahre alt. Die meisten Menschen, die mich kennen, würden mich wohl als rationalen und skeptischen Typen beschreiben. Aber ich habe eine… More »
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